Urheberrecht kontra Glaubensfreiheit

Die meisten Religionen der Welt haben zwar vielleicht verschiedene interne und externe Probleme, aber ein Problem haben sie nicht: Dass ihre heiligen Schriften von einem Urheberrechtsinhaber monopolisiert werden, der den Zugang zu diesen Werken kontrollieren kann. Der Grund dafür liegt einfach darin, dass in allen traditionellen Religionen die Urheberrechte an solchen Werken wie der Bibel, dem Koran, der Tora, den Veden, sogar am Buch Mormon, schon lange abgelaufen sind.

In Scientology sieht es anders aus. Zunächst einmal sind die Texte, die für diejenigen wichtig sind, die dieser Religion folgen, nicht in einem Buch versammelt, sondern sie sind tatsächlich auf buchstäblich Tausende individueller Bücher, Bulletins, Vorträge und anderer Ausgabearten aufgeteilt, von denen die meisten nur ein paar Seiten lang sind. Aus Sicht des Urheberrechtes stellt jedes einzelne davon ein gesondertes Werk dar. Der Autor praktisch aller relevanten Schriften war L. Ron Hubbard, der irgendwann zwischen 1981 und 1986 starb – das offizielle Datum ist 1986 – und das bedeutet, dass seine Urheberrechte erst in der Mitte des 21. Jahrhunderts ablaufen.

Wie Sie in dem Artikel „Wem gehört Scientology“ lesen können, ist es zweifelhaft, wer im Moment wirklich der Rechtsnachfolger von L. Ron Hubbard ist – wenn es überhaupt einen gibt.

Aber nehmen wir einmal an, dass die Behauptungen der Scientology-Kirche wahr sind und dass die Urheberrechte bei der „Church of Spiritual Technology“ liegen, der geheimen Organisation, der in Wahrheit die ganze Scientology-Kirche und die mit ihr verbundenen Organisationen gehört.

Dann haben die unabhängigen Scientologen ein Problem: Die alten, ursprünglichen Werke werden immer seltener. Sie werden nicht mehr hergestellt. Die neuen Ausgaben sind verändert. Der Inhalt wurde in einer Art und Weise verändert, die völlig inakzeptabel für jemanden ist, der an Standard-Tech glaubt – oder einfach bloß der Meinung ist, dass er L. Ron Hubbard folgen sollte, und nicht irgendeiner anonymen Person oder Gruppe, die das „Recht“, sein geschriebenes und gesprochenes Wort zu ändern, usurpiert und sich selber angeeignet hat.

Jedoch hat ohnehin niemand, der Teil der Freien Zone ist, eine Chance, einen Buchstand der Scientology-Kirche oder einer ihrer Mission zu besuchen und dort Bücher zu kaufen. Dies hat sich mehrfach erwiesen und wurde von vielen Mitarbeitern der Kirche bestätigt, sogar vor Gericht.

Wenn ein Scientologe in der glücklichen Position ist, jemanden persönlich zu kennen, der einen vollständigen Satz Originalmaterialien besitzt, dann kann er diese Person bitten, ihn kopieren zu lassen, was immer er für seine religiösen Studien benötigt. Die meisten Rechtskreise dieser Welt erlauben das Vervielfältigen urheberrechtlich geschützter Werke zum persönlichen Gebrauch. Aber was ist, wenn der Scientologe, der die Materialien kopiert, z.B. jemand anderen auditieren oder ihm einen Kurs liefern möchte? Fällt dies noch unter „persönlichen Gebrauch“? Oder noch schlimmer, was ist, wenn er keinen Zugang zu einigen oder allen Materialien hat, entweder weil er niemanden kennt, der sie besitzt, oder weil diese Leute keinen vollständigen Satz der Materialien haben – was ziemlich wahrscheinlich ist, wenn man bedenkt, dass die Werke von LRH weit über 10.000 Druckseiten und über 2.000 auf Tonband aufgezeichnete Vorträge umfassen?

Wir sind uns sicher, dass das, was sich hieraus ergibt, nämlich die Knappheit an Originalmaterialien, genau das ist, was die Führung der Scientology-Kirche beabsichtigt. Wussten Sie, dass Mitglieder dazu aufgefordert wurden, ja geradezu unter Druck gesetzt wurden, ihre originalen Technischen (roten) Volumes an die Kirche zurückzugeben – und dass sie dort zerstört wurden? Für einen Scientologen ist dies ein Sakrileg, vergleichbar dem, was ein Muslim fühlen mag, wenn er davon hört, dass jemand absichtlich einen Koran zerstört oder beschädigt (nur dass es in dem Fall wohl kaum durch jemanden geschieht, der ebenfalls in Anspruch nimmt, ein Muslim zu sein).

Daher finden wir es mehr als nur gerechtfertigt, dass die STSS wenigstens die wichtigsten Schriften von LRH denjenigen zur Verfügung stellt, die sie benötigen, um ihren Glauben zu studieren und zu praktizieren. Während diese Internetseite frei verfügbar ist unter einer „Creative Commons“ Lizenz, ist dieses Angebot ist beschränkt auf Menschen, die Scientologen sind und die diese Materialien persönlich benutzen möchten, um sie zu studieren und sie bei sich und anderen anzuwenden. Wir denken, dass diese Handlungsweise eindeutig durch das Menschenrecht der Glaubensfreiheit (International Covenant on Civil and Political Rights) geschützt ist und dass jegliches Abwägen zwischen dem Urheberrecht und der ihm gegenüberstehenden Glaubensfreiheit dazu führen muss, dass sich die Waage zugunsten der Menschenrechte neigt. Aber nicht nur das, wir glauben auch, dass was die STSS macht, in voller Übereinstimmung mit LRHs Wünschen steht – denn schließlich ist er der Ursprungspunkt der fraglichen Urheberrechte. LRH schrieb:

„Der erste Grundsatz meiner eigenen Philosophie ist, dass Weisheit jedem zusteht, der den Wunsch hat, nach ihr zu langen. Sie ist der Diener des gemeinen Mannes genauso wie der des Königs und sollte niemals mit Ehrfurcht betrachtet werden…“

„Ich kenne keinen Menschen, der ein Monopol auf die Weisheit dieses Universums hat. Sie gehört denjenigen, die sie einsetzen können, um sich und anderen zu helfen.“

„Das Werk war frei. Bewahrt es so!“